Wenn Sie eine offene Rechnung haben, die trotz Mahnungen nicht bezahlt wird, kann ein Inkassounternehmen beauftragt werden, um die Forderung einzutreiben. Ein Inkasso agiert dabei als Dienstleister für den Gläubiger, der seine Ansprüche durch Dritte durchsetzen lässt.



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Die Kernaufgaben eines Inkassounternehmens

Ein Inkassounternehmen hat primär die Aufgabe, offene Forderungen für seine Auftraggeber einzuziehen. Dies umfasst ein breites Spektrum an Tätigkeiten, die darauf abzielen, den Schuldner zur Zahlung zu bewegen, ohne dabei rechtswidrig vorzugehen. Die Dienstleistungen reichen von der außergerichtlichen Beitreibung bis hin zur Vorbereitung und Begleitung gerichtlicher Schritte.

Außergerichtliche Beitreibung

Im ersten Schritt versucht das Inkassounternehmen, die Schuld außergerichtlich zu begleichen. Dies geschieht typischerweise durch:

  • Kontaktaufnahme: Das Inkassobüro setzt sich mit Ihnen in Verbindung, um über die bestehende Schuld zu informieren und eine Klärung herbeizuführen. Dies kann telefonisch, per E-Mail oder schriftlich erfolgen.
  • Zahlungsaufforderungen: Es werden Mahnschreiben versendet, die detaillierte Angaben zur Forderung, dem Gläubiger und den Zahlungsmodalitäten enthalten.
  • Verhandlungsangebote: Oftmals werden auch Ratenzahlungspläne oder Stundungen angeboten, um Ihnen eine flexible Rückzahlung zu ermöglichen, sofern dies im Sinne des Gläubigers ist.
  • Bonitätsprüfung: In manchen Fällen kann das Inkassobüro auch Ihre Bonität prüfen, um die Erfolgsaussichten einer Beitreibung einzuschätzen.

Gerichtliche Beitreibung

Sollte die außergerichtliche Einigung scheitern, kann das Inkassounternehmen im Auftrag des Gläubigers gerichtliche Schritte einleiten. Dies beinhaltet:

  • Beauftragung eines Anwalts: Für gerichtliche Verfahren wird in der Regel ein Rechtsanwalt hinzugezogen.
  • Einleitung eines Mahnverfahrens: Dies ist ein vereinfachtes gerichtliches Verfahren zur Beitreibung unstrittiger Geldforderungen.
  • Titulierungsverfahren: Falls ein Mahnbescheid nicht zur Zahlung führt oder die Forderung streitig ist, kann ein Vollstreckungsbescheid oder ein Urteil erwirkt werden.
  • Zwangsvollstreckung: Mit einem vollstreckbaren Titel (z.B. Vollstreckungsbescheid, Urteil) kann das Inkassobüro die Zwangsvollstreckung einleiten lassen, z.B. durch Pfändung von Konten oder Lohn.

Weitere Dienstleistungen

Über die reine Forderungsbeitreibung hinaus bieten Inkassounternehmen oft weitere Services an:

  • Factoring: Hierbei kauft das Inkassounternehmen Forderungen von Unternehmen an und übernimmt das volle Ausfallrisiko.
  • Forderungsmanagement: Umfassende Dienstleistungen zur Überwachung und Verwaltung von Außenständen für Unternehmen.
  • Bonitätsprüfung von Geschäftspartnern: Unterstützung bei der Risikominimierung für Unternehmen.

Die Rolle des Inkassos aus der Perspektive des Schuldners

Für Sie als Schuldner ist die Kontaktaufnahme durch ein Inkassounternehmen oft mit Unsicherheit und Stress verbunden. Es ist wichtig zu wissen, dass Inkassobüros gesetzlich an bestimmte Regeln gebunden sind. Sie dürfen keine falschen oder irreführenden Angaben machen und müssen sich an die geltenden Gesetze halten. Seriöse Inkassounternehmen streben eine sachliche und konstruktive Klärung der Angelegenheit an.

Ihre Rechte im Umgang mit Inkasso

Auch als Schuldner haben Sie Rechte, wenn ein Inkassobüro Sie kontaktiert:

  • Auskunftsrecht: Sie haben das Recht, Auskunft über die Höhe der Forderung, den ursprünglichen Gläubiger und die Rechtsgrundlage der Forderung zu verlangen.
  • Prüfung der Forderung: Sie können und sollten die Forderung prüfen. Sind Sie unsicher, ob die Forderung berechtigt ist, können Sie dies dem Inkassobüro mitteilen und Belege anfordern.
  • Keine unerlaubten Praktiken: Inkassobüros dürfen Sie nicht bedrohen, belästigen oder zu unzulässigen Zahlungen drängen.
  • Transparenz bei Kosten: Alle Kosten, die Ihnen durch das Inkassoverfahren entstehen, müssen klar und nachvollziehbar ausgewiesen sein. Sie sind in der Regel auf die gesetzlich zulässigen Kosten begrenzt.
Funktionsbereich Hauptaktivitäten Zielgruppe Rechtliche Rahmenbedingungen
Forderungsmanagement Mahnwesen, außergerichtliche Beitreibung, Verhandlung von Zahlungsplänen Unternehmen, Selbstständige, Privatpersonen Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), Zivilprozessordnung (ZPO)
Gerichtliche Durchsetzung Einleitung von Mahnverfahren, Beantragung von Vollstreckungsbescheiden, Beauftragung von Anwälten Schuldner, die nicht außergerichtlich zahlen Zivilprozessordnung (ZPO), Zwangsvollstreckungsordnung (ZVO)
Risikomanagement Factoring, Bonitätsprüfungen, Forderungsankauf Unternehmen (zur Liquiditätssicherung und Risikominimierung) Handelsrecht, Finanzaufsichtsgesetze
Schuldnerberatung (indirekt) Anbieten von Ratenzahlungen, Unterstützung bei der Strukturierung von Schulden (im Auftrag des Gläubigers) Schuldner, die zahlungsunfähig sind Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), Berufsrechtliche Regelungen

Wann wird ein Inkassounternehmen tätig?

Ein Inkassounternehmen wird in der Regel dann eingeschaltet, wenn ein Gläubiger trotz eigener Bemühungen seine offene Forderung nicht begleichen kann. Dies tritt häufig ein, nachdem der Gläubiger selbst bereits mehrere Mahnungen versendet hat und der Schuldner weiterhin zahlungsunwillig oder zahlungsunfähig ist. Die Beauftragung eines Inkassounternehmens ist oft die letzte außergerichtliche Maßnahme, bevor rechtliche Schritte eingeleitet werden.

Welche Kosten können bei einem Inkassoverfahren entstehen?

Die Kosten eines Inkassoverfahrens können für den Schuldner erheblich sein. Grundsätzlich hat der Schuldner die durch den Verzug entstandenen Kosten zu tragen. Dazu gehören:

  • Die Hauptforderung: Der ursprüngliche Betrag, der geschuldet wird.
  • Verzugszinsen: Zinsen, die ab Eintritt des Verzugs anfallen.
  • Mahnkosten: Kosten für die Mahnungen des Gläubigers.
  • Inkassogebühren: Die Gebühren des Inkassounternehmens. Diese orientieren sich in der Regel an den gesetzlichen Gebühren für Rechtsanwälte, da Inkassodienstleister oft im Auftrag von Anwälten tätig werden oder selbst über eine Anwaltszulassung verfügen. Die Höhe richtet sich nach dem Gegenstandswert der Forderung.
  • Kosten für die Einleitung gerichtlicher Verfahren: Gerichtskosten und Anwaltsgebühren, falls ein Mahn- oder Vollstreckungsverfahren eingeleitet wird.

Es ist entscheidend, dass diese Kosten angemessen und gesetzlich zulässig sind. Unzulässige oder überhöhte Forderungen seitens des Inkassounternehmens sind nicht zu zahlen.

Was ist der Unterschied zwischen Inkasso und Schuldnerberatung?

Es ist wichtig, den Unterschied zwischen einem Inkassounternehmen und einer Schuldnerberatungsstelle zu verstehen. Während ein Inkassounternehmen im Auftrag des Gläubigers handelt und primär darauf abzielt, eine offene Forderung einzutreiben, vertritt eine Schuldnerberatungsstelle die Interessen des Schuldners. Schuldnerberatungen helfen Menschen, ihre Schulden zu ordnen, einen Überblick zu gewinnen, Zahlungspläne auszuhandeln und Wege aus der Verschuldung zu finden. Sie sind oft gemeinnützig oder öffentlich gefördert und arbeiten unabhängig von den Gläubigern.

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FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Was macht ein Inkasso?

Was passiert, wenn ich eine Mahnung von einem Inkassounternehmen erhalte?

Wenn Sie eine Mahnung von einem Inkassounternehmen erhalten, sollten Sie diese ernst nehmen und nicht ignorieren. Prüfen Sie sorgfältig, ob die Forderung berechtigt ist. Kontaktieren Sie das Inkassobüro, falls Sie unsicher sind oder die Forderung bestreiten möchten. Eine Klärung ist immer die beste Option, um weitere Kosten und rechtliche Schritte zu vermeiden.

Muss ich die Forderung des Inkassounternehmens sofort bezahlen?

Ob Sie die Forderung sofort bezahlen müssen, hängt von der Berechtigung und Fälligkeit der Forderung ab. Haben Sie die Forderung bereits geprüft und sie ist korrekt, sollten Sie eine Zahlung leisten. Falls Sie nicht in der Lage sind, den gesamten Betrag zu zahlen, kontaktieren Sie das Inkassobüro, um eine Ratenzahlung zu vereinbaren. Ignorieren Sie die Mahnung nicht.

Kann ich die Forderung eines Inkassounternehmens bestreiten?

Ja, Sie können die Forderung eines Inkassounternehmens bestreiten, wenn Sie der Meinung sind, dass diese ungerechtfertigt ist. Teilen Sie dem Inkassobüro dies schriftlich mit und begründen Sie Ihr Bestreiten. Fordern Sie gegebenenfalls Nachweise für die Forderung an. Bewahren Sie alle Korrespondenz gut auf.

Welche Rechte habe ich, wenn das Inkasso unlautere Methoden anwendet?

Wenn ein Inkassounternehmen unlautere Methoden wie Drohungen, Belästigung oder falsche Angaben verwendet, sollten Sie dies dokumentieren und sich umgehend an die zuständigen Aufsichtsbehörden oder einen Anwalt wenden. Verbraucherzentralen können ebenfalls Unterstützung anbieten.

Was sind die Konsequenzen, wenn ich die Forderung eines Inkassos nicht bezahle?

Wenn Sie die Forderung eines Inkassos trotz Berechtigung nicht bezahlen, wird das Inkassobüro wahrscheinlich weitere rechtliche Schritte einleiten. Dies kann die Beantragung eines Mahnbescheids, die Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens und schließlich die Zwangsvollstreckung (z.B. Kontopfändung) umfassen. Dies führt zu weiteren erheblichen Kosten und kann Ihre finanzielle Situation verschärfen.

Werden Inkassogebühren immer vom Schuldner getragen?

Die Inkassogebühren werden grundsätzlich vom Schuldner getragen, sofern die Beauftragung des Inkassounternehmens durch den Schuldnerverzug des Schuldners gerechtfertigt war und die Gebühren angemessen und gesetzlich zulässig sind. Der Gläubiger ist zunächst vorleistungspflichtig, kann sich diese Kosten aber vom Schuldner erstatten lassen.

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