Ein Inkassobüro übernimmt die Forderungsbeitreibung für ein Unternehmen, wenn Sie Ihre Rechnungen nicht bezahlen. Sie erhalten dann statt einer Mahnung vom ursprünglichen Gläubiger ein Schreiben vom Inkassodienstleister, der Sie zur Zahlung auffordert und oft zusätzliche Gebühren verlangt.



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Was ist Inkasso und warum wird es beauftragt?

Inkasso ist der Prozess der Forderungsbeitreibung. Wenn ein Gläubiger – also das Unternehmen oder die Person, der Geld geschuldet wird – feststellt, dass ein Schuldner seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt, kann er ein Inkassounternehmen beauftragen. Dieses Unternehmen tritt dann an die Stelle des ursprünglichen Gläubigers und versucht, die offene Forderung einzutreiben. Dies geschieht in der Regel, wenn außergerichtliche Mahnungen des Gläubigers erfolglos geblieben sind. Inkassounternehmen sind darauf spezialisiert, säumige Zahler zu kontaktieren, Zahlungsvereinbarungen zu treffen und im Notfall auch rechtliche Schritte einzuleiten, um die Schulden zu begleichen.

Die Phasen des Inkassoprozesses

Der Inkassoprozess durchläuft typischerweise mehrere Phasen, bevor er gegebenenfalls gerichtlich weitergeführt wird.

  • Auftragsannahme und Prüfung: Das Inkassounternehmen erhält den Fall vom Gläubiger. Es prüft die Vollständigkeit und Richtigkeit der übergebenen Forderungsunterlagen.
  • Erste Kontaktaufnahme (vorgerichtliches Inkasso): Der Schuldner wird schriftlich (per Brief) über die offene Forderung und die Beauftragung des Inkassodienstes informiert. In diesem Schreiben werden die ursprüngliche Forderung, Zinsen und weitere Kosten detailliert aufgeführt und eine Zahlungsfrist gesetzt.
  • Weitere Korrespondenz und Zahlungsaufforderungen: Bleibt die erste Zahlungserinnerung erfolglos, versendet das Inkassobüro weitere Mahnungen. Hierbei können die Fristen kürzer werden und die Kommunikation intensiver.
  • Telefonische Kontaktaufnahme: Oftmals versucht das Inkassobüro auch, den Schuldner telefonisch zu erreichen, um die Situation zu klären und eine Zahlungsvereinbarung zu treffen.
  • Zahlungsvereinbarungen: In vielen Fällen ist das Inkassobüro bereit, mit dem Schuldner Ratenzahlungen oder eine Stundung der Forderung zu vereinbaren, um eine vollständige Begleichung zu ermöglichen.
  • Einleitung rechtlicher Schritte (gerichtliches Inkasso): Wenn alle außergerichtlichen Bemühungen scheitern und die Forderung berechtigt ist, kann das Inkassobüro im Auftrag des Gläubigers gerichtliche Schritte einleiten. Dies beginnt meist mit dem Erlass eines Mahnbescheids, gefolgt von einem Vollstreckungsbescheid, falls kein Widerspruch eingelegt wird.
  • Zwangsvollstreckung: Mit einem vollstreckbaren Titel kann das Inkassobüro die Zwangsvollstreckung veranlassen, beispielsweise durch Pfändung von Konten, Lohn oder Vermögenswerten.

Kosten und Gebühren im Inkasso

Bei der Beauftragung eines Inkassounternehmens entstehen für den Schuldner zusätzliche Kosten. Diese setzen sich in der Regel aus folgenden Posten zusammen:

  • Hauptforderung: Der ursprüngliche Betrag, der geschuldet wird.
  • Verzugszinsen: Gesetzliche Verzugszinsen, die ab dem Zeitpunkt des Zahlungsverzugs anfallen.
  • Inkassogebühren: Gebühren für die Tätigkeit des Inkassounternehmens. Diese basieren oft auf gesetzlichen Gebührenordnungen oder den vereinbarten Sätzen mit dem Gläubiger. Sie sind in der Regel prozentual zur Forderungshöhe gestaffelt.
  • Kosten für Mahnungen und Korrespondenz: Gebühren für die schriftlichen Aufforderungen und die allgemeine Korrespondenz.
  • Auslagen: Eventuell anfallende Portokosten, Kopierkosten oder Kosten für Auskünfte.
  • Kosten für gerichtliche Schritte: Wenn gerichtliche Mahnverfahren oder Zwangsvollstreckungsmaßnahmen eingeleitet werden, fallen zusätzliche Gerichts- und Gerichtsvollzieherkosten an.

Wichtig: Als Schuldner sind Sie verpflichtet, die durch die Beitreibung entstehenden, nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) oder einer vergleichbaren Gebührenordnung berechenbaren Kosten zu tragen, sofern Sie sich im Zahlungsverzug befinden und das Inkassounternehmen beauftragt wurde. Dies gilt jedoch nur, wenn die Beauftragung des Inkassodienstes nach Eintritt des Verzugs erforderlich war und die Gebühren angemessen sind.

Die Rolle von Inkassounternehmen im Überblick

Inkassounternehmen fungieren als Mittler zwischen Gläubiger und Schuldner und sind darauf spezialisiert, ausstehende Zahlungen einzutreiben. Ihre Tätigkeit umfasst sowohl außergerichtliche als auch gerichtliche Maßnahmen.

Aspekt Beschreibung Rechtliche Grundlage
Auftraggeber Unternehmen, Selbstständige, manchmal auch Privatpersonen, die offene Forderungen haben. Vertragliche Vereinbarung zwischen Gläubiger und Inkassodienstleister.
Schuldnerkontakt Schriftliche und telefonische Aufforderungen zur Zahlung, Verhandlung von Zahlungsplänen. Gesetzliche Regelungen zum Zahlungsverzug und zur Korrespondenz.
Kostenverursachung Inkassogebühren, Verzugszinsen und Auslagen. Können dem Schuldner auferlegt werden, wenn dieser im Verzug ist. § 286 BGB (Verzug des Schuldners), § 288 BGB (Verzugszinsen), RVG (Rechtsanwaltsvergütungsgesetz) für Rechtsanwaltsinkasso.
Gerichtliche Schritte Einleitung von Mahnverfahren, Beantragung von Vollstreckungsbescheiden, Zwangsvollstreckung. Zivilprozessordnung (ZPO) für Mahn- und Vollstreckungsverfahren.
Regulierung Inkassodienstleister benötigen eine behördliche Zulassung und unterliegen der Aufsicht. Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) regelt die Erlaubnispflicht für Inkassodienstleistungen.

Was tun, wenn Sie ein Inkassoschreiben erhalten?

Ein Inkassoschreiben kann beunruhigend sein, aber es ist wichtig, ruhig zu bleiben und besonnen zu reagieren.

  • Prüfen Sie das Schreiben sorgfältig: Überprüfen Sie alle Details: Wer ist der ursprüngliche Gläubiger? Stimmt die Forderungshöhe? Sind die Zinsen und Gebühren korrekt berechnet? Wann genau sind Sie in Verzug geraten?
  • Überprüfen Sie die Forderung: Erinnern Sie sich an die ursprüngliche Rechnung oder den Vertrag? Haben Sie bereits bezahlt? Wenn ja, suchen Sie Ihre Zahlungsnachweise.
  • Reagieren Sie innerhalb der Frist: Ignorieren Sie das Schreiben nicht. Wenn Sie der Forderung nicht nachkommen können oder diese bestreiten, teilen Sie dies dem Inkassobüro schriftlich und nachweisbar mit.
  • Wenn die Forderung berechtigt ist: Nehmen Sie Kontakt mit dem Inkassobüro auf und versuchen Sie, eine Zahlungsvereinbarung zu treffen. Ratenzahlungen sind oft möglich.
  • Wenn die Forderung nicht berechtigt ist: Legen Sie schriftlich Widerspruch gegen die Forderung ein und begründen Sie diesen. Senden Sie Kopien von Zahlungsnachweisen oder anderen relevanten Dokumenten mit.
  • Holen Sie sich professionelle Hilfe: Bei Unklarheiten, hohen Forderungen oder wenn Sie sich überfordert fühlen, suchen Sie Rat bei einer Schuldnerberatungsstelle oder einem Rechtsanwalt. Dies ist besonders wichtig, wenn Sie bereits gerichtliche Schreiben erhalten haben.

Abgrenzung zum gerichtlichen Mahnbescheid

Das vorgerichtliche Inkasso ist ein Schritt, der oft dem gerichtlichen Mahnbescheid vorausgeht. Der Hauptunterschied liegt in der rechtlichen Verbindlichkeit. Ein Schreiben von einem Inkassobüro ist zunächst eine außergerichtliche Aufforderung. Ein gerichtlicher Mahnbescheid hingegen ist ein amtliches Dokument, das vom Gericht erlassen wird und bei Nichtwiderspruch zur Grundlage einer Zwangsvollstreckung werden kann. Inkassounternehmen können jedoch im Auftrag des Gläubigers die Einleitung eines gerichtlichen Mahnverfahrens veranlassen.

Wann ist Inkasso rechtmäßig?

Die Tätigkeit von Inkassounternehmen ist in Deutschland durch das Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) geregelt. Inkassodienstleistungen dürfen nur von Unternehmen erbracht werden, die über eine entsprechende behördliche Zulassung verfügen. Dies soll sicherstellen, dass die Forderungsbeitreibung gesetzeskonform und fair abläuft. Ein Inkassodienstleister muss seine Zulassung nachweisen können. Die Forderungen, die eingetrieben werden sollen, müssen zudem rechtmäßig entstanden sein.

Wann sollten Sie professionelle Hilfe suchen?

Es gibt verschiedene Situationen, in denen professionelle Hilfe ratsam ist, wenn Sie mit Inkasso konfrontiert werden:

  • Sie sind sich unsicher, ob die Forderung berechtigt ist.
  • Sie haben bereits die Möglichkeit einer Pfändung oder Zwangsvollstreckung erhalten.
  • Die Forderungssumme ist sehr hoch und Sie können sie nicht aus eigener Kraft begleichen.
  • Sie sind überfordert mit der Korrespondenz und den Fristen.
  • Sie zweifeln an der Rechtmäßigkeit der Forderung oder der Vorgehensweise des Inkassobüros.

Schuldnerberatungsstellen bieten kostenlose oder kostengünstige Beratung und Unterstützung an. Rechtsanwälte für Schuldenrecht können Sie juristisch vertreten und Ihre Rechte durchsetzen.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Wie funktioniert Inkasso?

Was ist der Unterschied zwischen einer Mahnung und einem Inkassoschreiben?

Eine Mahnung ist die erste oder eine der ersten Aufforderungen des ursprünglichen Gläubigers, eine offene Rechnung zu bezahlen. Ein Inkassoschreiben erhalten Sie, wenn der Gläubiger die Forderung an ein spezialisiertes Inkassounternehmen abgibt, weil die außergerichtlichen Mahnungen erfolglos blieben. Das Inkassobüro versucht dann, die Schuld einzutreiben und berechnet dafür eigene Gebühren.

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Kann ein Inkassobüro auch Lohn oder Konto pfänden?

Ein Inkassobüro kann nicht eigenmächtig eine Pfändung durchführen. Um Lohn oder Konto pfänden zu lassen, benötigt das Inkassobüro einen vollstreckbaren Titel. Diesen erlangt es durch ein gerichtliches Mahnverfahren, das mit einem Vollstreckungsbescheid endet, falls der Schuldner keinen Widerspruch einlegt. Mit diesem Titel kann es dann die Zwangsvollstreckung beauftragen.

Muss ich die Inkassogebühren bezahlen, auch wenn ich die ursprüngliche Rechnung längst beglichen habe?

Wenn Sie nachweisen können, dass die ursprüngliche Forderung bereits beglichen war, bevor das Inkassobüro beauftragt wurde, müssen Sie weder die Hauptforderung noch die Inkassogebühren bezahlen. Es ist jedoch entscheidend, dass Sie den Zahlungsnachweis erbringen können. Bei berechtigten Forderungen sind Sie im Verzug dazu verpflichtet, die Verzugsschäden, zu denen auch die Kosten einer zweckentsprechenden Rechtsverfolgung gehören können, zu tragen.

Wie lange darf ein Inkassobüro Forderungen eintreiben?

Forderungen unterliegen gesetzlichen Verjährungsfristen. Die Regelverjährungsfrist in Deutschland beträgt drei Jahre, beginnend mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist. Inkassounternehmen dürfen Forderungen auch nach Ablauf der Verjährungsfrist geltend machen, aber Sie sind dann nicht mehr verpflichtet, diese zu bezahlen, wenn Sie sich darauf berufen.

Was passiert, wenn ich nicht auf ein Inkassoschreiben reagiere?

Wenn Sie auf ein Inkassoschreiben nicht reagieren, wird das Inkassobüro weitere Schritte unternehmen. Dies kann die Einleitung eines gerichtlichen Mahnverfahrens sein, welches zu einem Vollstreckungsbescheid führt. Infolgedessen kann die Zwangsvollstreckung eingeleitet werden, was die Pfändung Ihres Einkommens oder Ihrer Vermögenswerte zur Folge haben kann.

Kann ich eine Ratenzahlung mit dem Inkassobüro vereinbaren?

Ja, in den meisten Fällen ist es möglich, mit einem Inkassobüro eine Ratenzahlungsvereinbarung zu treffen. Dies ist oft eine gute Lösung, um die Forderung schrittweise zu begleichen und eine Zwangsvollstreckung zu vermeiden. Es ist ratsam, dies schriftlich zu vereinbaren und sich die Bedingungen genau anzusehen.

Wann lohnt es sich, einen Anwalt für Inkassofälle einzuschalten?

Die Einschaltung eines Anwalts lohnt sich, wenn die Forderung unklar oder unberechtigt erscheint, die Forderungssumme sehr hoch ist, Sie bereits gerichtliche Schreiben erhalten haben oder wenn Sie eine rechtliche Vertretung wünschen, um Ihre Interessen bestmöglich zu wahren. Ein Anwalt kann die Rechtmäßigkeit prüfen, mit dem Inkassobüro verhandeln oder Sie im gerichtlichen Verfahren vertreten.

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